15 Jahre Reiseerlebnisse auf Kuba

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Gabi Schibler gibt einen Einblick in die bewegendsten Momente

 

Wie kommt man auf die verrückte Idee auf Kuba Inlineskating-Reisen durchzuführen?
Ich habe 2001 selbst an einer Aktivreise auf Kuba teilgenommen. Damals waren wir auf dem Bike unterwegs. Wir sind über leere Autobahnen und Dämme im offenen Meer gerollt. Da war ich sehr irritiert, dass ich meine Skates nicht eingepackt hatte. Auf der Königsetappe über den Topes de Collante trafen wir schliesslich drei Kubaner von denen einer auf uralten Inlineskates unterwegs war. Wir blieben nach der Reise in Kontakt und mir ging die Idee von der Inline-Reise nicht mehr aus dem Kopf. So verbrachte ich im nächsten Jahr zwei Monate auf Kuba um die Strecken auszustesten und reiste 2003 schliesslich zum ersten Mal mit 6 Gästen in die Karibik.

 

Seither reist du nicht nur nach Kuba, um diese Inlinereise durchzuführen. Du nimmst auch immer viel Spendenmaterial mit.
Wir nehmen jedes Jahr bis zu 300 Kilogramm an Inlinematerial mit - von T-Shirts über Rollen, Helmen bis zu ganzen Schuhen. Privatpersonen, Vereine oder gar Geschäfte geben uns Material, das sie nicht mehr benötigen. Das ist enorm wertvoll. Auf Kuba kann man kein Skatematerial kaufen.
 

Alle sprechen immer von der „Faszination Kuba“. Was fasziniert an Kuba denn so sehr?
(lacht) Am meisten sind es wohl die Gegensätze, die den Schweizer faszinieren, aber auch die Herzlichkeit der Kubaner, die Musik und natürlich das sonnige Wetter.  Es ist eine komplette Umstellung vom Schweizer Alltag. Gerade deshalb denke ich, dass wir auf Kuba viele Dinge finden, die wir uns insgeheim auch in der Schweiz wünschen. Die Lockerheit, das Leben im "Hier und Jetzt", das Improvisationstalent und die Fröhlichkeit der Menschen faszinieren immer wieder.
 

Kuba ist ein „Land im Wandel“. Woran hast du das in den vergangen Jahren bemerkt?
Kuba verändert sich schon lange, nicht erst seit Obama zu Besuch war. Die ersten Veränderungen machten sich vor rund acht Jahren bemerkbar, als es den Kubanern zum ersten Mal erlaubt war, Hotelanlagen für Touristen zu betreten. Vorher wurden die Touristen strikt von den Einwohnern getrennt. Vor drei bis vier Jahren eröffnete sich den Kubanern dann wieder eine neue Welt: die Kommunikation. Will man auf Kuba einen staatlichen Festnetzanschluss, so muss man sich zehn bis fünfzehn Jahre gedulden. Nun ermöglichen die Smartphones und das Internet völlig neue Wege der Kommunikation. Öffentliche Orte, an denen es freies WLAN gibt, werden zu neuen Treffpunkten, um mit den Verwandten im Ausland über das Internet zu telefonieren. Das ist für die Kubaner eine verrückte Veränderung im Vergleich zu früher.
 

Hat man in Kuba Angst vor einer „Amerikanisierung“?
Der normale Kubaner merkt von den Öffnung gegenüber der USA noch nicht viel. Diejenigen, die jedoch im Tourismus arbeiten oder die Mittel haben sich in diesem Bereich etwas aufzubauen, werden zu Geld kommen. Das wird dazu führen, dass die Schere zwischen arm und reich mehr aufgehen wird.
 

Wie stehst du dazu? Hast du Angst?
Es wird eine Chance und gleichzeitig eine Herausforderung sein. Es ist höchste Zeit, dass sich Kuba öffnet. Die Veränderungen sind aber langsam anzugehen, sonst läuft Kuba Gefahr seinen Charme und seine Herzlichkeit zu verlieren.
 

Was für Veränderungen sind im Tourismus spürbar?
Die Karibikinsel wird im Moment vollkommen überrannt von Touristen. Und der Staat kommt hinten und vorne nicht nach mit der Erweiterung der Infrastruktur. Die Folge vom Anstieg der Nachfrage und des fehlenden Ausbaus der Angebote ist eine hoffnungslose Überteuerung, insbesondere bei Hotels.
 

Gibt es auch positive Veränderungen? Wie reagiert Motionline darauf?
Wir entfliehen dem Touristenstrom! Früher war es so, dass Reisegruppen nicht in Casa Particulares übernachten durften. Jetzt ist das aber erlaubt und dies eröffnet uns völlig neue Möglichkeiten. Neben tieferen Preisen für die Übernachtungen, können wir so viel schneller und intensiver Beziehungen zur kubanischen Bevölkerung aufbauen. Die Skate-Strecken haben teilweise angepasst. Wir besuchen zwar nach wie vor auch die grossen Städte wie Havanna oder Cienfuegos, aber wir wollen die unentdeckten Nischen zeigen. Wir rollen dem romantischen Kuba nach und vermeiden die Massentouristen.
 

Was nimmst du aus diesen fast 15 Jahren mit?
Das kubanische Lebensgefühl! Es ist einfach wunderschön, pro Jahr zwei Wochen aus unserer hoch technologisierten, rapiden und durchgetimten westlichen Welt aussteigen zu können. Die Kubaner streben nicht nach "Können" oder "Haben", sondern nach "Sein". Und das ist für mich so enorm faszinierend.
 

Glaubst du, dass du auch in 10 Jahren noch nach Kuba reisen wirst?
Ich hoffe es! Und ich freue mich enorm darauf, mit meinen Erfahrungen das Tor zu Kuba noch vielen weitern Gästen öffnen zu können.